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BAHAR BATVAND | RESTESSEN // TISCH, 2015| STAHL UND DIVERSE METALLE,
CA. 200 X 150 X 200 CM, 2015, TISCH AUS METALLRESTEN

„RESTESSEN“ haben die beiden iranischen künstler bahar batvand und ramin parvin ihr skulpturenprojekt genannt, das sie für die art-lodge im jahr 2015 entwickelt haben. beide künstler sind in ihrer heimat durch kreig und repressalien geprägt worden, bis sie den iran – unabhängig voneinander und zu unterschiedlichen zeitpunkten – verliessen. da das gemeinsame essen in der iranischen tradition einen hohen stellenwert hat, steht der titel „restessen“ für den wahrscheinlich unwiederbringlichen verlust der heimat oder für die verbliebenen, jungen und politisch aktiven iraner zumindest für den verlust von einfluss und entfaltungsmöglichkeiten.

Bahar Batvand, 1974 im iran geboren, erlebte den krieg hautnah als grundschülerin. sie studierte an der freien islamischen universität in teheran malerei und später bühnenbild an der kunstakademie düsseldorf, wo sie als meisterschülerin bei Prof. karl kneidl ihren akademiebrief erhielt. auf grund ihrer erfahrungen mit krieg und zerstörung arbeitet sie bevorzugt mit materialien, die sie auf dem schrott findet, insbesondere mit eisen, bei dessen wiederverwendung sie sich durch die manipulation der oberfläche mit furchen und kratzern dem unkontrollierbaren korrosionsprozess zumindest ein „mitgestaltungsrecht“ einräumt.

der tisch den sie für diese skulptur gestaltete, ist aus alten baumeterialien gefertigt und steht für den wunschgedanken des unbeschwerten gemeinsamen mahles. das bündel, das fast wie ein damoklesschwert über der tischplatte schwebt, scheint mit werten und erinnerungen prall gefüllt – es ist in für die weiblichkeit stehenden goldenen stoff gekleidet, der auf die Rolle der Frau zu verweisen könnte. tatsächlich geht es aber um die kostbarkeit der momente unbeschwerten seins in der gemeinschaft - momente, die einem menschen, der seine heimat verlassen musste, nur selten zuteil werden...