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liav mizrahi |untiteled, 2012 | antennenkabel und kabelschellen auf holzwand, ca. 500 x 300 cm

Die Wandinstallation „Untitled“ von Liav Mizrahi ist die dritte Aussenarbeit, die speziell für die art-lodge geschaffen wurde. An der hölzernen Aussenwand des alten Tischlerschuppens formen sich Antennenkabel zu zwei betenden Händen – als Hommage an Albrecht Dürers Zeichnung, eines der meist reproduzierten Bilder, dessen Original sich in der Sammlung der Wiener Albertina befindet. Zwei männliche Hände, Handfläche an Handfläche betend und sich gegenseitig stützend, den (nicht sichtbaren) Körper nach rechts gewandt.

Über den Händen ist ein Satz in Hebräisch zu sehen: “Na Nach Nachma Nachman Meuman”. Es ist ein kabbalistisches Mantra, das sich auf Rabbi Nachman bezieht, den Gründer der chassidischen Breslov Gruppe, die heutzutage einige Popularität besitzt und als die „Na Nachs“ bekannt ist: Ihre (ausschliesslich männlichen) Anhänger unterscheiden sich von gewöhnliche orthodoxen Juden dadurch, dass sie in den strassen von Tel Aviv, Jerusalem und anderen israelischen Städten um ihre mit dicken Musikboxen bestückten und bunt bemalten Kleintransporter zu dröhnender Techno-Trance-Musik tanzen – mit dem Ziel, Juden wie Nichtjuden eine fantastische Zeit zu bescheren.

Mit der Kombination dieser beiden Elemente provoziert Liav Mizrahi eine Kollision und schafft gleichzeitig eine eigenständige Harmonie: Die Hände im Gebet, asketisch und demütig einerseits, das exzessive und einladende Gebaren der „Na Nachs“ andererseits – beide repräsentieren das menschliche Streben nach universeller göttlicher Gnade, beide auf ihre eigene magische, mystische Weise.

Genauso relevant wie die Symbolik der Arbeit sind Grösse und Technik: Das zeitgenössische, einfache Material (Antennenkabel), angelehnt an Popkultur und Street-Art, trifft auf die pittoreske Landschaft. So schafft Liav Mizrahi eine ambivalente Gedankenwelt: Hier fühlt man sich Gott näher als anderswo – und findet sich gleichzeitig allein „in the middle of nowhere“.

Liav Mizrahi wurde 1977 in Haifa/Israel geboren, er lebt und arbeitet in Tel Aviv. Er hat an der Universität in Haifa und der Kunsthochschule Midrasha in Beit-Berl Malerei studiert und war u.a. Gaststudent an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Herbert Brandl. Als Künstler, als Lehrer an einer Kunstschule und als Kurator ist er aktiver Teil der jungen, vielfältigen und überaus spannenden israelischen Kunstszene, die weder in den Ausdrucksformen noch in ihren Themen festgelegt ist, aber deren Streben nach Anerkennung und Selbstbestimmung in sexuellen, religiösen oder ethnischen Belangen deutlich erkennbar ist. In seinem vielschichtigen und themenreichen Werk beschäftigt er sich auch immer wieder mit Mythen, religiösen Fragen und dem Dualismus der Kulturen und Bildsprachen in der nahöstlichen und der westlichen Welt.