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Berg-Werke

Im Mittelpunkt der Arbeit von Claudia Rogge (* 1965) steht das Thema „Masse“. Die Betrachtung dieses Themas findet meist ausschließlich auf der inhaltlichen Ebene statt. Dem stellte Claudia Rogge in ihren in den Nullerjahren realisierten Projekten und Arbeiten den in der kulturellen Betrachtung meist unberücksichtigten Aspekt der rein formalen Betrachtung entgegen:
Ihre Arbeiten entziehen sich jeglicher vordefinierter Inhalte und Kontexte und verlangen so dem Betrachter die Aufgabe einer eigenen Interpretation ab, die auf Grund der individuellen Assoziation, aber auch gesellschaftlichen Prägung, unterschiedlich ausfallen kann – so unterscheidet sich rein optisch die dem Führer zujubelnde Meute nicht von der tosenden Menge während eines Pop-Konzertes.  

Bekannt wurde Claudia Rogge durch ihr Projekt „mob“. Sie ließ dafür einen gläsernen Lkw konstruieren und fuhr mit zwei verschiedenen Installationen durch Europa. Die erste Installation bestand aus 5000 formidentischen Baby-Kunststoff-Köpfen (2002), die zweite zeigte 66 gegossene Männerfiguren (2003-04). Die Reise der Installation war nicht eine Addition von Städten, sondern ermöglichte vielmehr an jedem Standort ein neues reziprokes Verhältnis zwischen der Installation, der Umgebung und den Menschen, die sie dort wahrnahmen.

Als logische Weiterentwicklung entwickelte die Kommunikationswissenschaftlerin, die rasant als Künstlerin international Karriere gemacht hat Fotoserien mit unterschiedlichen Sujets vom einfachen Rapport bis hin zu aufwändig choreografierten Massenbildern die  weltweit auf allen großen Kunstmessen und in Einzelausstellungen von Wien, Zürich, Düsseldorf bis Italien und China präsentiert wurden: Da werden bis zu 20 000 Einzelbilder geschossen, danach beginnt die Bildkomposition, die eigentliche künstlerische Arbeit. „Was die Darsteller liefern, ist mein Rohstoff, mein visuelles Vokabular“, erklärt.

Im Rahmen der Doppel-Ausstellung >berg-werke< wurden – in Rückbesinnung auf das Projekt „mob-II“ – 25 der Männerfiguren aus dem Lastwagen in einer neuen figurativen Anordnung und in einer neuen Umgebung gezeigt: In Zweierreihen „strebten“ sie der Auffahrt entlang auf das Haus zu und sorgten den Sommer über für intensive Aufmerksamkeit, Irritation und Aufregung – bis hin zu Anwohnerbeschwerden aus der Nachbarschaft.

Zeitgleich mit dieser Ausstellung wurde ein Teil der 66 Figuren im Moscow Museum of Modern Art in einer umfangreichen Einzelausstellung präsentiert, die einen Querschnitt der Arbeiten von Claudia Rogge aus den vergangenen Jahren zeigte.